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Kinder erleben nichts so scharf und bitter wie Ungerechtigkeit.

Charles Dickens

Autorität, wie Vertrauen, werden durch nichts mehr erschüttert als durch das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden

 

Theodor Storm

Das Schweigen der Kinder  -  Die Methoden der Täter

 


Immer wieder kommen bei Eltern Fragen und Zweifel auf:

WARUM hat MEIN Kind nichts von Vorfällen und Übergriffen berichtet?

 

Eines zur Beruhigung vorab: Es hat in den meisten Fällen nichts damit zu tun, dass die Kinder ihren Eltern nicht vertrauen. Es kommt jedoch vor, dass Kinder in der Schule so massiv unter Druck gesetzt und eingeschüchtert werden, dass aus Angst mit niemandem mehr darüber sprechen können, ja sogar krank werden und so auf sich aufmerksam machen und auf diese indirekte Weise verzweifelt um Hilfe bitten.

 

Die Hintergründe werden im folgenden Text anhand von Beispielen erläutert, die uns durch Kinder berichtet wurden.

 

Kollektives Einschwören und Drohungen

 

Viele Kinder einer 1. Klasse werden zu Hause verhaltensauffällig. Sie wollen wieder zu den Eltern ins Bett, schlafen nur noch mit Licht, bauen sich Nester, nässen nachts und manche auch tagsüber ein, klagen über Bauchweh und Kopfschmerzen, werden aggressiv oder tieftraurig, weigern sich zur Schule zu gehen etc.

 

Nach ein paar Monaten werden Strafanzeigen gegen Lehrkräfte erstattet, da mehrere Kinder zu Hause von Misshandlungen berichtet haben.

 

Eine Mutter berichtete:

Ich habe meine Tochter gefragt, warum sie nie mit mir über die Vorkommnisse gesprochen hat. Sie antwortete: Unsere Lehrerin hat uns gesagt, dass wir das nicht dürfen.

 

„Wenn wir zu Hause erzählen, was in der Schule passiert, geschieht ein Unglück, und wir fliegen alle von der Schule.“

 

Das Verhalten der Lehrkraft ist an seelischer Grausamkeit kaum zu überbieten, denn durch diese vage Formulierung „es passiert ein Unglück“ schmort jedes Kind in SEINER kleinen Hölle. Nichts ist schlimmer, als eine von Angst getriebene Phantasie ...

 

 

Massive Manipulation einzelner Kinder

 

Eltern sollten immer dann skeptisch werden, wenn Kinder in einer Sprache über Schul-Erlebnisse berichten, die nicht ihrem Alter oder ihrem sonstigen Erzählstil entsprechen. Es kann sein, dass die Kinder massiv manipuliert wurden, wie in den folgenden Fällen:

 

Ein Mädchen beklagt sich darüber, von ihrer Sportlehrerin ins Bein gekniffen worden zu sein, als sie nicht hörte und mit anderen Kindern auf einer Mauer des Schulhofs stand. Sie hat eine halbmondförmige, verschorfte Wunde am Unterschenkel. Die Eltern sprachen mit der Lehrkraft und der Schulleitung. Die Lehrerin, die sonst immer lange Kunstnägel trägt, erschien mit kurz geschnittenen Nägeln und stritt alles ab.

 

In der nächsten Sportstunde spielte sich folgendes ab: Die Schülerin (7Jahre alt) befand sich in der Umkleidekabine, stand nur im Slip vor ihrer Sporttasche und wollte sich gerade umziehen, als die Lehrerin erschien und alle anderen Kinder rausschickte. Dem Mädchen wurde es untersagt, sich zu bekleiden, die Lehrerin nahm sie bei den Armen, begab sich auf Augenhöhe mit dem Kind, so dass sich ihre Nasen fast berührten und sagte immer wieder den gleichen Satz:

„Du musst sagen, dass das nicht stimmt. So etwas würde ich doch niemals tun!“

 

Das Mädchen war völlig verstört, da es nicht daran gewöhnt ist, angelogen und manipuliert zu werden. So antworte sie genauso gebetsmühlenartig: „Doch, das hast du getan!“  bis die Lehrerin schließlich entnervt von ihr abließ.

 

Nur wenige Tage später,  gleiche Schule, andere Lehrkraft, der selbe Satz:

Ein Junge berichtete: Ich bekam im Unterricht eine Ohrfeige. Hinterher hat die Lehrerin der Klasse erzählt, dass es nur so ausgesehen hat und dass man zu Hause auch nichts anderes erzählen darf. Mich hat sie mit in den Flur genommen und gesagt, dass ich nichts erzählen darf. Ich bekäme sonst Ärger und würde von der Schule fliegen. Also habe ich den Mund gehalten und auf Fragen geantwortet:

 

„Nein, so etwas würde Frau XXX doch niemals tun!“

 

Die Mutter berichtete: Erst als es darum ging, dass eine kleine Schwester an der gleichen Schule eingeschult werden sollte, brach er sein Schweigen – er wollte auf gar keinen Fall, dass sie dort hin muss und erzählte von seinen Erlebnissen.

 

Bis auf 2 Kinder dieser Klasse hielten sich alle an die Vorgaben der Lehrerinnen und behaupten heute noch, nichts gesehen zu haben. Nein, so etwas würde Frau XXX doch niemals tun!

 

Grundschulkinder berichteten über ihre Lehrerin :

„Wenn sie ausgerastet war, wurden hinterher oft Süßigkeiten verteilt – eine andere Lehrerin hat dafür sogar eine Schublade, in der sie immer Schokolade hat, die sie dann an Kinder verteilt, damit die sagen, dass sie nix gesehen haben und wie nett die Lehrerin ist.

 

Eine andere ist nach Vorfällen immer besonders lieb zu uns. Sie spricht dann mit einer ganz lieben Stimme, gar nicht wie sonst, da brüllt sie immerzu und beschimpft uns, aber dann lobt sie uns und schenkt lieben Kindern Gummibärchen. Nur das geschlagene Kind bekommt keine Süßigkeiten von der Lehrerin, denn dieses Kind war ja böse!“

 

Auch das gibt es:

Eltern bringen ihre Kinder zum Schweigen.

 

Beispiel: Kinder berichten, dass ein Mädchen im Unterricht geschlagen wurde.

Die Beschreibung der Szene beschrieb Dinge, die ein 10-jähriges Kind nicht wissen kann, wenn es sie nicht erlebt hat. Ein Junge erzählt:

 

Das Mädchen saß auf ihrem Platz und redete. Die Lehrerin wurde sauer, ging zu ihr hin und schlug ihr mit der flachen Hand ganz doll auf den Rücken. Das war furchtbar und hat so geröhrt.

Frage: Geröhrt?

Der Junge: Ja, das Mädchen hatte gerade den Mund auf und da kam die Luft durch den dollen Schlag so raus, dass es geröhrt hat.

 

Zwei Mütter suchten daraufhin die Mutter des Mädchens auf, um sie zu informieren, dass es Zeugen gibt und dass man ihr helfen würde.

 

Ergebnis: Die Mutter war überrascht aber nicht daran interessiert, ihrer Tochter zu helfen, die voller Angst daneben stand.

Die Mutter hat Angst vor dem Gerede der Leute, Angst vor Umsatzeinbußen für ihr Lädchen und hat sich zu ihrer Beruhigung folgende Version zurechtgelegt: Diese Leute von der Elterninitiative spinnen doch alle. Die Kinder haben das meiner Tochter nur eingeredet.

Ein paar Wochen später an der Bushaltestelle:

„ Ich habe mich jetzt getraut, meiner Mutter zu sagen, dass ich in der Schule eingesperrt wurde. Mal sehen, vielleicht trau ich mich ja auch, ihr von den Schlägen zu erzählen!“, erzählt ein kleines Mädchen und schaut traurig zu Boden.

 

 

Die Macht der Schulgefühle

 

Kinder sind Kinder. Sie sind nicht immer lieb, sie kippeln mit dem Stuhl, malen in ihren Heften herum, schauen aus dem Fenster und kichern mit der Freundin.

Natürlich wissen sie, dass das nicht richtig ist und genau da setzt eine besonders gemeine Methode an. Kinder werden mit ihren „Schandtaten“ erpresst und sehen sich letztendlich selbst als Auslöser für Übergriffe.

 

„Wenn ich von jetzt an immer ganz lieb bin, wird sie nicht mehr wütend und alles ist gut.“

 

„Frau XXX will das gar nicht. Das passiert nur, weil ich immer so wild bin und jetzt ist sie ganz traurig, dass ich sie verpetzt habe.“

 

„Wenn du mir versprichst, dass du zu Hause nichts erzählst, dann bekommst du auch keinen Eintrag wegen der vergessenen Hausaufgaben.“

 

 

Selbstschutz

 

Eine Mutter berichtet: Während einer Hospitation im Mathematik-Unterricht konnte ich eine unglaubliche Beobachtung machen. Wenn man sich leise in ein Ecke setzt, vergessen die Kids schnell, das man anwesend ist und geben sich ganz natürlich. Einige wurden recht albern und es wurde der Lehrerin zu bunt. Sie erhob ihre Stimme und setzte zu einer Standpauke an.

In diesem Moment senkten fast alle Kinder der Klasse synchron die Köpfe - fast wie bei den Freitagsgebeten in einer Moschee. Kein einziger Schüler blickte mehr auf – die Lehrerin hätte jetzt Limbo tanzen oder Kinder ohrfeigen können und (fast) niemand hätte hinterher sagen können, was passiert ist. Ich war sprachlos vor Erstaunen und Entsetzen über dieses seltsame Schauspiel.

 

Diese Kinder hatten Schutzmechanismen entwickelt, die ihnen Ärger und Strafen ersparen sollten. Sie duckten sich aus Angst - in der Hoffnung, übersehen und nicht zum Ziel zu werden machten sie sich klein. Was ich nicht sehe, kann mich nicht verletzen. Was ich nicht sehe muss ich zu Hause nicht berichten und wenn mich jemand fragt, muss ich nicht lügen.

 

 

Jedes Kind muss wissen, dass es den Eltern, Geschwistern Freunden ALLES erzählen kann, was es bedrückt und dass die Eltern ihm glauben.

 

Betroffene Familien berichten rückblickend fast einstimmig, dass sie solche Zustände im Traum nicht für möglich gehalten hätten. Man fragt zwar immer: Na, wie war es denn heute in der Schule? - rechnet doch aber nicht im Traum mit solchen Antworten.

 

Manchmal ist es nötig, doch genauer hinzuhören. Niemand wäre auf den Gedanken gekommen zu fragen: Na, wie war es denn heute in der Schule? Haben dich irgendwelche Lehrerinnen angebrüllt, gekniffen, getreten, geschlagen oder eingesperrt?

 

Die meisten Lehrkräfte tun dies glücklicherweise ja auch nicht,  aber wenn Ihr Kind sich seit der Einschulung sehr verändert hat, wieder einnässt, unter Kopfschmerzen, Bauchweh, Übelkeit leidet, aggressiv oder tieftraurig geworden ist, sich Nester zum schlafen baut oder ins Elternbett möchte, sich zurück- statt weiterentwickelt, überhaupt nicht zur Schule gehen möchte, dann sollte man behutsam etwas genauer nachfragen

 

Angelika Bachmann

LOA Lernen ohne Angst e.V. 

 

 

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