Flussdiagramm: Alternativer Prozess:   Lernen  Ohne  Angst    e.V.

 

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„Man kann in Kinder nichts hineinprügeln,
aber vieles aus ihnen herausstreicheln“
                                                                   Astrid Lindgren

»Man kann ohne Liebe Holz spalten und ohne Liebe Ziegel formen; aber ohne Liebe darf man nicht mit Kindern umgehen.«

Leo N. Tolstoi

Opferkinder schützen und stärken

 

Ausnahmezustand

 

Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt (Hemmingway)

 

Während eines eskalierten Konflikts gelten oftmals keine Regeln. Das gilt für beide Seiten, doch viele Opferberichte zeigen, dass diese sich weit über das zumutbare und oft auch über das erträgliche Maß hinaus an die „Spielregeln“ gehalten und sich damit schwer geschadet haben.

 

Wenn Lehrer lügen und Behörden mauern, haben die Opfer nur noch die Chance des geordneten Rückzugs und der Schadensbegrenzung. Ob dieser Rückzug  von Dauer oder nur kurzfristig ist, kann meist anhand des Bearbeitungsverlaufs recht schnell entschieden werden. Oft werden erst während eines Konflikts auch weitere relevante Tatsachen bekannt, die die Entscheidung erleichtern.

 

Es ist extrem wichtig, in dieser Phase auf die Wünsche und Signale des physisch und/oder psychisch verletzten Kindes einzugehen, um weitere Verletzungen zu verhindern.

 

Dabei sind die Möglichkeiten der betroffenen Familien oft stark eingeschränkt und umso mehr gilt das Motto: Ein bisschen Anarchie schadet nie.

 

 

Lerne die Regeln, damit du sie brechen kannst.

(Dalai Lama)

 

Wenn Schule und Behörden nichts unternehmen, um einem Opferkind schnell und angemessen zu helfen, sind die Eltern gefragt und die Palette von Möglichkeiten ist gar nicht einmal so mager bestückt, wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag.

 

Auf der einen Seite sind die Opfer dank der allgemeinen Schulpflicht weiterhin per Gesetz ihren Peinigern ausgeliefert, auf der anderen Seite steht der § 1631 (2) BGB mit der Maßgabe: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ Sie haben also täglich die Qual der Wahl, ob Sie lieber gegen das Schulrecht oder gegen das BGB verstoßen möchten.

 

Häufig erübrigen sich Verstöße jedoch, denn es gab beispielsweise Fälle, in denen Eltern ihre Kinder für eine gewisse Zeit als Gastkinder in anderen Schulen lernen ließen, andere zogen eine sofortige Umschulung vor. Eine rasche Umschulung bedeutet für die Opfer – nicht aber für die Täter – das Ende des Konflikts und birgt oft weitere, ungeahnte Vorteile. So konstatierte beispielsweise eine Grundschülerin: „Eigentlich war es sogar gut, dass meine alte Lehrerin mich geschlagen hat – sonst hätten wir doch nie gemerkt, wie schlecht diese Schule wirklich ist, und wir wären nicht zu unserer schönen Schule gewechselt.“  

 

Bei psychosomatischen Beschwerden, Schulverweigerung und Schulangst wurden Opferkinder auch von Kinderärzten und Psychologen für eine gewisse Zeit krank geschrieben – um nach den Übergriffen in Sicherheit wieder gesund werden zu können. An anderen Schulen führte eine  medienwirksame und dadurch recht erfolgreiche Bestreikung der betroffenen Klassen zum gewünschten Ziel.

 

 

Schutzengel und andere gute Geister

Manche Eltern berichteten, dass ihr Kind trotz der Übergriffe weiter zur Problemschule gehen wollte. Dies ist aus Sicht des Opfers sehr verständlich, denn Kinder haben meist einen sehr ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und können nicht begreifen, warum die Opfer gehen sollen während die Täter bleiben dürfen. Solche Kinder verfügen meist über eine hohe emotionale Intelligenz, sind sehr emphatisch und üben oft bereits Solidarität mit anderen und potentiellen weiteren Opfern.

 

Wie sollen Grundschulkinder auch verstehen, dass sie ihre Klassenkameraden und Freunde, aber auch Lehrer mit denen sie gut auskamen zurücklassen sollen, längere Fahrten zur Schule in Kauf nehmen und sich dort eingewöhnen müssen, obwohl sie doch nichts wirklich Schlimmes getan haben. Sie haben vielleicht geschwätzt oder gekippelt und sollen gehen, der Lehrer hat hingegen geschlagen, getreten, gemobbt darf bleiben? Nicht nur aus Kindersicht eine äußerst schräge Bilanz.

 

Kinder, die in der gegebenen Situation und somit im laufenden Konflikt verbleiben kann man auf die verschiedenste Weise stärken und unterstützen.    

 

Eltern berichteten, dass sie ihrem Kind ein kleines Kuscheltier in die Tasche steckten, das ein paar Tropfen von Mamas Parfum oder Papas After-Shave ins Fell bekam. Der Geruchssinn löst sehr starke Assoziationen aus und so waren die Eltern unsichtbar immer gegenwärtig.

Andere Kinder bekamen kleine Schutzengel – über das Bettchen, auf den Nachtschrank und in die Federtasche.

 

Manche Eltern bemalten besonders hübsch geformte Steine für ihre Kinder und schrieben die Botschaft IHDGDL (Ich hab dich ganz doll lieb) darauf.

 

Oft wird von Psychologen Kampfsport empfohlen, der die Kinder sowohl mental als auch physisch stärken soll und  zudem einen sicheren Rahmen bietet, in dem Aggressionen verarbeitet und kontrolliert ausgetobt werden können.

 

Den Kummer von der Seele tanzen

Vielen Kindern hilft auch Musik, mit den angestauten Gefühlen umzugehen - Wut und Traurigkeit zu verarbeiten. Für Eltern sind die von Kindern ausgewählten Musikstücke zudem starke Indikatoren für die momentane Verfassung und die Gefühlslage der Kinder.

 

Schutzraum Alltag

Im Konflikt fühlt man sich schnell wie ein Hund, der sich um sich selbst dreht und versucht, sich in den Schwanz zu beißen. Es ist extrem wichtig, sich Ruhezonen und Schutzräume zu schaffen und zu erhalten, in die der Konflikt nicht eindringen kann.

 

So schwer es aus Zeitmangel auch manchmal fällt, aber man sollte lieb gewonnene Rituale gerade jetzt nicht vernachlässigen. Die abendliche Kuschel- und Lesestunde, gemeinsame Spaziergänge und Ausflüge, Sport, das gemütliche Abendessen mit der ganzen Familie – all das kann helfen, den Alltag beizubehalten und sorgt zugleich dafür, dass das entstandene Problem nicht das Familienleben zerstört oder beherrscht.  

 

Es hilft der Elternseele, wenn man sich ganz bewusst einen kleinen Freiraum schafft und sich etwas Gutes gönnt. Ob das nun ein Opernbesuch, ein netter Abend mit Freunden, ein schöner Film, ein Wellness-Tag oder ein ausgiebiger Einkaufsbummel ist – raus aus den vier Wänden und die Seele baumeln lassen!

 

Eine Familie berichtete, dass sie es bei einer Reise so gehalten hat: Am ersten Tag durfte jeder so viel über das Schulproblem reden, wie er mochte, alles durfte gesagt werden, jeder durfte seinem Herzen Luft machen – und dann wurde es für den Rest der Ferien nicht mehr erwähnt.  Wir HABEN ein Problem – wir SIND kein Problem.

 

 

DU  bist  OK!

Geschlagene und gemobbte Kinder tragen oft schwer an Ihrer Last und das Selbstbewusstsein hat fast immer gelitten.

Eine große Hilfe hierfür findet sich im Kind selbst, denn auch wenn man ihm vorhandene Schuldgefühle nehmen oder reduzieren konnte, bleibt oft ein Gefühl der Minderwertigkeit aufgrund der erlittenen Demütigung.

 

Jedes Kind hat Stärken und Bereiche in denen es glänzen kann, und diese Möglichkeit muss ihm jetzt verstärkt geboten werden.

Ob es nun um Fußball, Musik, Malerei geht – es tut der misshandelten  Seele  gut, wenn man etwas tun darf, von dem man weiß, das man es sehr gut kann. Umso besser, wenn zudem ein dankbares Publikum parat steht und die Leistungen entsprechend würdigt.

 

 

Ursachenforschung

Die Mutter eines 7-jährigen  Mädchens erzählte von dem folgenden Gespräch:

 

„Mama, bin ich eigentlich behindert?“

„Wie kommst du denn darauf?“

„Weil ausgerechnet mir in der Schule immer so viel Scheiße passiert, ich dachte, das wäre eine Behinderung.“

 

Ein Beispiel unter vielen, das zeigt, wie verzweifelt Kinder die Schuld für die Situation bei sich suchen. Die Ermittlungsakten sind voll von solchen Beispielen. Ich habe gekippelt, ich habe nicht zugehört, ich habe im Unterricht geschwatzt und da... So fangen viele Gespräche an, die damit enden, dass Kinder von Schlägen, Kniffen, Boxhieben und Tritten durch Lehrkräfte berichten.

 

Für die Eltern beginnt ein Balanceakt, denn natürlich soll man nicht kippeln. Schwatzen usw. Trotzdem muss dem Kind klar vermittelt werden, dass sein Fehlverhalten KEIN Freibrief für prügelnde Lehrer/innen ist, ohne jedoch dem Nachwuchs einen Blankoscheck für unterhaltsame Einlagen zu liefern.

 

Dem Kind muss klar sein, dass sein VERHALTEN (nicht seine Person) beim Lehrer etwas ausgelöst hat, was nicht in Ordnung und auch nicht erlaubt ist. Warum das so ist, darüber kann nur spekuliert werden und ja, auch in eine solche Diskussionen darf man Kinder einbinden

 

Die Ursachenforschung interessiert Kinder sogar brennend, denn sie wünschen sich so sehr, dass Erwachsene für sie berechenbar bleiben.

Warum sollen sie also nicht wissen, dass man z.B. eine private und/oder berufliche Überforderung als Ursache vermutet. Es fördert ihr Verständnis für Mitmenschen und somit ihr Sozialverhalten – gleichzeitig entlastet es ihr Gewissen.

 

 

Feindbilder?

Oft wird Eltern vorgeworfen, sie hätten sich nicht schützend vor die Lehrer gestellt und so das Vertrauensverhältnis zwischen dem Schüler und dem Pädagogen beschädigt.

 

Eine Fragen der Glaubwürdigkeit und der Moral.

Ist es richtig, einen Fehler zu vertuschen, oder steht man dazu, wertet ihn aus und entschuldigt sich am Ende mit Anstand?

Soll man Mobber und Straftäter verteidigen? Welche Lektion lernt ein misshandeltes Kind aus einer solchen Vorgehensweise? Wird es sich nicht verraten fühlen?

 

Hatten Sie schon einmal einen Vorgesetzen, der Sie gemobbt oder geschlagen hat? Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihr Ehe/Partner sich schützend vor diesen Chef und somit gegen SIE stellt? Was richtet so eine Erfahrung erst mit einer Kinderseele an?

 

Vertrauen und Respekt muss sich jeder selbst verdienen und erarbeiten. Es ist absolut unmoralisch ausgerechnet von Eltern und Opfern Loyalität und Vertrauen zu fordern, während man eifrig dabei ist, unliebsame Entgleisungen feige mit dem großen Besen unter den Teppich zu kehren.    

 

Ein klares deutliches NEIN, für das absurde Ansinnen Opfereltern als Anwälte der prügelnden Lehrkraft zu missbrauchen!

 

 

Bedingungslos

In dem Kinderlied: „Du bist ein Riese, Max“ heißt es:  „Liebe macht dich unverletzbar, wie ein Bad in Drachenblut.“ So ist es, und das wusste auch meine Kleine schon -  ansonsten wäre sie an der Gefühlskälte, der Gewalt und den Lügen dieser Menschen zerbrochen. (Mutter einer misshandelten Schülerin)

 

Wenn Kinder sich ein Herz fassen und einem Erwachsenen ihre Erlebnisse berichten, belasten sich fast alle auch selbst, denn sie suchen die Schuld bei sich und haben oft sogar Verständnis für die schlagende oder mobbende Lehrkraft.

 

Kinder brauchen in dieser Notlage mit Sicherheit keine weiteren Vorwürfe sondern unsere bedingungslose Zuneigung und das sichere Gefühl, dass man ihnen glaubt, vertraut und zu 100 %  hinter ihnen steht.

Kinder, die in den meisten Fällen glücklicherweise nie zuvor Gewalt durch Erwachsene erlebt haben, werden durch Übergriffe von Lehrkräften völlig aus der Bahn geworfen und ihr bisher heiles Weltbild gerät gehörig ins Wanken.

Wer soll ihnen helfen, wenn nicht die eigenen Eltern? Wer sonst soll zuhören, trösten, Mut machen und sie wieder aufbauen?

 

Professionelle Hilfe

So sehr ich es grundsätzlich ablehne, Kinder vorschnell in Patienten zu verwandeln, so ernst meine ich den Hinweis: Bitte zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen!

Ein verletztes Kind zeigt häufig körperliche Symptome und Verhaltensauffälligkeiten, die für Eltern sehr schlecht zu deuten sind. Gewalt- und Mobbingopfer setzen Traurigkeit und Demütigungen oft in psychosomatische Beschwerden (Bauchweh, Übelkeit Bettnässen) oder aggressives Verhalten um. In einer 1. Klasse beobachteten wir beispielsweise, dass Kinder ihr Arbeitsmaterial zerstörten, die Schultasche aus dem Fenster warfen, sich untereinander ungewöhnlich heftig prügelten und sich mit schrecklichen Ausdrücken beleidigten. Für einen Außenstehenden erschreckend auffällige Kinder. Genau betrachtet stellte sich jedoch  heraus, dass diese Kinder von Lehrern geschlagen, eingesperrt und bis aufs Blut gemobbt und eingeschüchtert worden waren.

Die Suizidrate bei Schülern ist bezeichnenderweise höher als bei anderen Jugendlichen. Todessehnsucht und Suizidgedanken zeigen sich auf verschiedenste Art und Weise und erfordern unverzügliches Handeln. Die Altersgrenze sinkt immer weiter und im Rahmen unserer Vereinsarbeit hören wir nicht selten von Kindern, die bereits mit 10 Jahren ihre Schulprobleme als so ausweglos einstufen, dass sie nicht mehr leben möchten.

In solchen Fällen MUSS das Kind sofort aus der Situation befreit werden, ihm muss eine Schutzzone gewährt werden, während Eltern, Schule und Berater nach einer raschen Lösung suchen. Psychologen, Kinderärzte, Heilpraktiker und Beratungsstellen kommen als Ansprechpartner in Frage. Glücklicherweise verschwinden die psychischen und körperlichen Symptome der Opfer meist unmittelbar nach Verlassen der krank machenden Umgebung.

 

Liebe macht dich unverletzbar...

 

In dieser Gewissheit können Kinder einen Konflikt ertragen und letztendlich als Sieger verlassen. Sie sehen sich nicht mehr als hilflose Opfer – sie sehen den schlagenden und lügenden Lehrer als das, was er ist. Ausgebrannt, nervlich am Ende, Opfer der eigenen Vergangenheit, völlig überfordert und gestresst, sadistisch, krank, schwach... die Palette ist groß.

 

In der Gewissheit, dass sie bedingungslos geliebt und unterstützt werden können Kinder die erfahrene Demütigung abschütteln, ihre wirkliche Position erkennen, manchmal sogar den Tätern verzeihen und das Problem verarbeiten. Es ist möglich, dass geschlagene Kinder völlig unabhängig von der juristischen Wertung als kleine Helden aus dem Konflikt hervorgehen. Sie haben Zivilcourage und Rückgrat gezeigt, den Mut gehabt, trotz aller Anfeindungen die Wahrheit zu sagen, und sie haben letztendlich vielen anderen Kindern ähnliche Erfahrungen erspart. 

 

 

 

Angelika Bachmann

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